Jüdisch

Jüdisch

Der Gebrauch des des Adjektives "jüdisch" lässt aufhorchen. Es fällt auf eine bestimmte Weise aus den in der Alltagssprache gebrauchten, sogenannten beschreibenden Wörtern wie "groß, hell, billig, schön, klein, schnell" usw. heraus. Es fällt auch aus den Nationen oder Ethnien bezeichnenden Wörtern wie "polnisch, englisch, afrikanisch oder norwegisch" heraus. Warum ist das so? Wahrscheinlich, weil beim Gebrauch dieses Wortes nicht nur die Bezeichnung einer Ethnie anklingt, sondern auch ein bedeutender Teil der Religions- und Weltgeschichte sowie der aktuellen Tagespolitik.

"jüdisch" als einfaches Wort



Wie nahe uns diese Geschichte ist und wie eng die politischen Ereignissen mit den individuellen Befindlichkeiten verbunden sind, zeigen zum einen die persönlichen Bewertungen solcher Überschriften wie "jüdische Herkunft", "jüdische Gemeinde", "jüdische Sprache", "jüdische Menschen", aber auch schon mit einer gewissen, schwer zu bezeichnenden Bewichtung die Verbindungen "jüdischer Witz", "jüdische Politik", "jüdische Kultur". Dies geht weiter mit schon eindeutig negativer Schwingung bei "jüdische Hast", "jüdischer Handel" oder "jüdisches Aussehen" - wiederum schlägt das Befindlichkeitspendel um in eine Bewertung, die Achtung der Geschichte und der Opfer beinhaltet bei der Verbindung "jüdisches Leid".

Es ist derart umfassend, welche objektiven und subjektiven Dimensionen bei dem Gebrauch des Wortes "jüdisch" mit anklingen, dass es einer immensen Disziplinierung bedarf, um beim alltäglichen Reden mit unseren Mitmenschen nicht in eine endlose Diskussion oder gar einen handfesten Streit zu geraten.

Vielleicht ist "jüdisch" eine Art "Zeigerwort" - ähnlich wie sogenannte "Zeigerarten" bei Pflanzen, an deren Vorkommen nicht sichtbare Besonderheiten des Biotopes ablesbar sind. Beim Gebrauch dieses Wortes und beim Reden über dessen Inhalte werden plötzlich verborgene individuelle Einstellungen bis hin zu politischen Werten sichtbar, die zuweilen äußerst überraschend sein können und daher einer eigenen Standfestigkeit oder auch Gelassenheit bedürfen.



Aber muss es denn immer gleich so kompliziert werden ? Geht es denn nicht auch harmos mit z.B. "jüdischer Küche"? Sehr wahrscheinlich ist das so und die Vorstellung, dass eine Hausfrau auf der Suche nach Abwechslung auf dem Tisch im jüngst erstandenen Kochbuch "jüdische Küche" blättert, entspannt. Bis zu dem Punkt, an dem sie in unserer Vorstellung koschere Zutaten einkaufen muss und nicht weiß, wo und wieso - jetzt wird es schon wieder kompliziert...